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Fassade in Weisenheim am Berg, Pfalz

Die Pfalz: Genuss pur – Teil 1

29. Mai 2019 | Landgänge

Modelleisenbahn-Idylle, schmucke Fachwerkhäuser wie an einer Perlenschnüre, Weinberge soweit das Auge reicht, hier und da eine Burg, ein Klima wie Samt und Seide, Kulinarik von deftiger Regionalküche bis Fine Dining, exzellente Weine und eine Gastlichkeit, die ihres gleichen sucht… Das ist die Pfalz. Wir waren wieder dort.

Die Pfalz: Genuss pur – Teil 1 Die Pfalz: Genuss pur – Teil 1

Sehr spontan hatten wir uns Mitte April entschieden, in die Pfalz zu reisen. Nach unserer Stippvisite im vergangenen Jahr hatten wir dieses Mal sieben Tage für unsere kulinarische Rundreise eingeplant. Und wieder bestätigte sich, was wir auf unserer Vinotheken-Tour im Vorjahr erlebten: Wir sind „schockverliebt“ in die Pfalz und die Pfälzer. Und so zitierte uns dann auch die Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ nach einem Interview in Speyer. Aber der Reihe nach.

Neustadt an der Weinstrasse

Unsere erste Station war Neustadt an der Weinstraße. Im Hotel Steinhäuser Hof hatten wir ein Zimmer reserviert. Das Hotel in einem wunderbaren Fachwerk-Ensemble im Herzen von Neustadt bietet sechs einfach möblierte Zimmer mit modernen Bädern. Der älteste Teil des Ensembles stammt aus dem 13. (!) Jahrhundert. Durch die Lage direkt am Marktplatz ist das Hotel der ideale Ausgangspunkt, um Neustadt und Umgebung zu erkunden. Der Blick aus dem Zimmer über die Dächer und Fachwerkhäuser hinweg ist übrigens umwerfend. Genau wie das Glockengeläut, das ab 07.00 Uhr morgens einsetzt. Modelleisenbahn-Idylle eben! Ich mag das sehr.

Im gleichen Gebäude, liegt das Gourmet-Restaurant Urgestein, das im ehemaligen Marstall unter der Kreuzgewölbedecke eine tatsächlich einmalige Location ist. Die sympathische Inhaberin und Küchenchefin Hedi Rink bietet drei verschiedene Menüs mit den klangvollen Namen „Urvertrauen“, „Grundstein“ und „Meilenstein“ an, denen jeweils noch mehrere Amuse-Bouches vorausgehen. Wir entschieden uns – goldrichtig – für das Grundstein Menü.

Hedi Rink hat uns in fünf Gängen um den Finger oder besser: um ihren Kochlöffel gewickelt: Gourmet Küche auf allerhöchstem Niveau, ein Gang übertraf den nächsten. Teller mit unfassbar vielen, beinahe verspielten Komponenten und Aromen, jeder für sich ein Kunstwerk. Für mich war die klare Ochsenschwanz-Suppe mit Madeira, Lauch und fermentiertem Knoblauch das Beste, das ich je vom Ochsenschwanz gegessen habe (und ich liebe Ochsenschwanz!).

Den krönenden Abschluss, ein Dessert in Herzform, servierte die Küchenchefin persönlich. Ein herrliches Dessert und die Gelegenheit zum Austausch mit der Zauberin am Herd. Leider ist mir vom Herz-Dessert kein Foto gelungen, aber auf der Urgestein Homepage könnt ihr es sehen!

So sensationell wie die Küche im Urgestein ist auch der Service. Tanel Idil ist seit mehr als zehn Jahren Restaurantleiter im Urgestein. Wir haben selten einen so begnadeten Gastgeber erlebt! Charmant und unterhaltsam führte er uns mit einer perfekt ausgewogenen Weinbegleitung durch den Abend. Man spürt, dass der kundige Sommelier für seine Pfälzer Weine brennt – und so kamen alle sieben Weine von Weingütern aus der unmittelbaren Umgebung, keines weiter als 14 Kilometer entfernt. So lag es nahe, dass wir uns unsere Favoriten aus der Weinempfehlung später direkt ab Weingut mit nach Hause genommen haben.

Pfälzer Mandelblüte

Einen Teil des Pfälzer Mandelpfads zur Mandelblüte zu erwandern, das stand natürlich auf der Agenda. Gewandert sind wir auch – allein es fehlte die Blüte… Schade, dafür waren wir Mitte April schon zu spät. Es waren nur noch ganz vereinzelte Blüten zu entdecken. Wie herrlich muss es aussehen, wenn alles in voller Blüte steht! Wieder ein Grund, noch einmal wiederzukommen.

Ein schöner kleiner Rundweg führt von Edenkoben aus zur Haltestelle der Rietburg-Bahn. Eine herrlich altmodische Seilbahn bringt uns bequem zur Rietburg Ruine hinauf, von wo aus man eine phantastische Sicht über das größte zusammenhängende Weinbaugebiet Deutschlands bis zu den Hängen des Odenwaldes und des Schwarzwaldes hat.

Über Weyher wandert man durch endlose Weinberge bis zum malerischen Weinort Rhodt unter Rietburg, wohl einem der schönsten Orte entlang der Weinstraße, die wir bislang entdeckt haben. In der Weinstube des Weingut Grieß lässt sich vortrefflich eine kleine Pause einlegen: auf ein Gläschen Wein und beispielsweise eine Portion „Fleeschknepp“ (kleine Fleischklöße) mit Meerrettich-Sauce.

Kalmit

Anderntags führte uns unser Weg von Maikammer aus auf die Kalmit, dem mit 673 m höchsten Berg des Pfälzerwaldes. Ungefähr 400 Höhenmeter sind zu bewältigen und natürlich wird man mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Auf dem Weg sollte man den Abstecher zum Taubenkopf (604 m) machen und von der Bank dort seinen Blick schweifen lassen.

Außer mit der tollen Aussicht wird man aber am Gipfel auch mit einer schönen Möglichkeit zur Einkehr belohnt. Das Kalmit Haus wird seit 1908 geführt und bietet gute, deftige Pfälzer Küche. Die „Pfälzer Dreifaltigkeit“ (Leberknödel, Saumagen, Bratwurst, Sauerkraut und meist braune Sauce) darf nicht fehlen, dazu eine Weinschorle. Aber Achtung: in der Pfalz wird die Weinschorle halbliterweise (!) ausgeschenkt und der gute regionale Wein wird großzügig dosiert…

Weisenheim am Berg

Unsere nächste Station heißt Weisenheim am Berg und wir sind hier, weil wir gern im Restaurant Admiral essen wollen. Das Restaurant Admiral (leider haben wir vergessen, in Erfahrung zu bringen, woher der Name stammt) ist in einem ehemaligen Jagdhaus untergebracht, im Sommer sitzt man in sehr schön dekorierten Garten.

Die Küche ist absolut empfehlenswert. Fein aufeinander abgestimmte Komponenten, sehr modern und aromenreich interpretiert. Das Highlight im Admiral war für mich aber das Dessert!

Der Inhaber und Küchenchef Holger Stehr ist gelernter Patissier. Und das merkt man! Eine Kreation aus Rhabarber Eis, weißer Schokolade, griechischem Joghurt und Nussbutter-Kuchen – geschmacklich einfach umwerfend und wunderschön angerichtet. Selten hat mich ein Dessert so begeistert!

Das Restaurant Admiral vermietet auch ein (1!) Gästezimmer, das an diesem Abend leider belegt war. Am Ende war das aber ein Glück für uns, denn sonst hätten wir das Rothfuss Hotel nicht entdeckt und seinen sympathischen Inhaber. Jens Rothfuß hat hier in Weisenheim ein wahres Kleinod geschaffen. Behutsam hat er ein altes Weingut saniert, dessen Vorbesitzer kurioserweise Blaufuss hieß. Sieben Zimmer hat er äußerst geschmackvoll und modern, eingerichtet: reduziert auf das Wesentliche mit einem stimmigen Farbkonzept und asiatischer Leichtigkeit.

Die Zimmer und Bäder sind sehr groß, die Betten phänomenal. Hierher wird uns unser Weg, beim nächsten Pfalz-Besuch ganz sicher wieder führen, zumal das Frühstück im Rothfuss Hotel wirklich außergewöhnlich ist. Jens Rothfuß begrüßt seine Gäste persönlich im lichtdurchfluteten Frühstücksraum. Ein Kamin spendet heimelige Wärme. Die Eierspeisen werden selbstverständlich frisch zubereitet, und auf dem kleinen Buffet finden sich ausschließlich Bio-Produkte und herausragende Backwaren. Obwohl wir keine Buffet-Fans sind, sind wir glücklich. So macht der Start in den Tag Spaß! Wir fühlen uns wohl und wie zu Hause!

Überhaupt, fühlen wir uns wohl in der Pfalz. Vielleicht liegt es an der Pfälzer Lebensart, dass das so ist. Und die ist deutlich anders ist als bei uns im Norden. In geselliger Runde bei einem Schoppen Wein kommt man schnell ins Gespräch, am großen Tisch bleibt man nie lang allein, man fühlt sich willkommen. Sympathische Pfalz.

Wie es auf unserer kulinarischen Reise in Speyer und Landau weitergeht, lest ihr demnächst hier auf meinem Blog.

Weitere wertvolle Informationen rund um den Pfälzer Wein, aber auch über Kulinarik, Ausflüge, Hotels, Wandern, Radfahren und vieles mehr, findest du auf der sehr informativen Website der Pfalzwein e. V..

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