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Lisa Bunn und ihr Mann bei der Weinprobe am Fass

Frauenpower und die Farbe Lila

16. Dezember 2017 | unterwegs

Ich würde mich zwar als Weinliebhaber, definitiv nicht aber als Weinkenner bezeichnen. Ich weiß, ob mir ein Wein schmeckt oder nicht. Und, ja, ich gestehe, die Ausstattung einer Flasche, sprich das Etikett, ist für mich auch nicht ganz unerheblich. So habe ich mich bestimmt auch von meiner Lieblingsfarbe Lila leiten lassen bei meiner ersten Weinbestellung in Nierstein. Denn Lisa mag Lila. Nun hat sich der Shootingstar unter den jungen deutschen Winzer(innen) bereit erklärt, ihre ganz persönlichen Weinempfehlungen für ausgewählte Captain’s Dinner Menüs zu geben. Und das kam so.

Frauenpower und die Farbe Lila Frauenpower und die Farbe Lila

Landgang in Hamburg mit meinem Kapitän. Bei einem wunderbaren Essen im Restaurant „Kleine Brunnenstraße 1“ im vorletzten Sommer wurde uns die Scheurebe vom rheinhessischen Weingut Lisa Bunn empfohlen. Das war unsere erste Begegnung mit dem Namen Lisa Bunn und dem scheuen Reh auf der Flasche. Wir recherchierten und fanden eine lange Liste von Superlativen für die sympathische 29-Jährige, die das elterliche Weingut zusammen mit ihrem Mann Bastian 2011 übernahm. „Leider wird man als Frau in dieser Branche immer noch belächelt“, bedauert Lisa. Als junge Winzerin muss sie offenbar besser sein als alle männlichen Kollegen, wie in manch anderen Branchen eben auch.

Lisa zeigt es allen. Sie setzt sich durch, produziert exzellente Weine. Sie heimst Preise und Punkte ein, zuletzt 93 Falstaff Punkte für den Ölberg Riesling, zwei Trauben im Gault Millau und zwei Sterne im Vinum Weinguide 2018. In der Presse wird sie bejubelt. Diese Erfolge fußen auf zwei Säulen: eine solide Ausbildung auf der einen und unternehmerischer Mut und viel Elan auf der anderen Seite. Lisas Mann Bastian ist gelernter Weinbautechniker, Lisa selbst hat internationale Weinwirtschaft studiert und Erfahrungen an verschiedenen Weingütern, unter anderem in Australien und Südafrika, gesammelt.

Als 2011 der Senior, Georg Bunn, erkrankte, stellten sich Lisa und Bastian der Herausforderung und übernahmen das Familiengut, welches sie 2013 umbenannten. Der Name Margarethenhof nach der Urgroßmutter, den es allerdings vier Mal in der Gegend gab, was häufig zu Verwechslungen führte, wurde in den – einmaligen – Namen „Weingut Lisa Bunn“ geändert. Und es kam die Farbe Lila in’s Spiel…

Es folgten anstrengende Jahre, in denen das Sortiment und die Produktion umgestellt wurden. „Wir haben alte Sorten wie Bacchus über die Jahre aus dem Berg genommen, um uns auf die Rieslinge und Burgunder konzentrieren zu können“, erklärt mir Lisa. Und mit leuchtenden Augen fährt sie fort: „Und wir sind wieder zur Handlese übergegangen, zu langen Maischestandzeiten und Spontangärung, zu warmer Gärung und langem Hefelager.“ Aha, ich gebe zu, jetzt würde ich doch gern mehr davon verstehen.

Das Familienweingut Lisa Bunn liegt malerisch mit Blick auf den Rhein in Nierstein. Dass Lisa Lila mag, merkt man sofort, wenn man auf den Hof des Weingutes fährt. Alte weiß und lilafarben lackierte Weinpressen säumen den Parkplatz, die Wände der Vinothek strahlen im schönsten Lisa Bunn Lila. „Bald werden wohl auch die Firmenwagen lila sein“, erzählt uns Georg Bunn bei unserer Weinverkostung augenzwinkernd und man ahnt, dass Lila nicht unbedingt auch seine Lieblingsfarbe ist.

Freut euch mit mir, dass uns Lisa Bunn hier auf meinem Blog die ein oder andere Weinempfehlung für ein besonderes Captain’s Dinner Menü geben wird. Mit dem Weihnachtsmenü 2017 starten wir!

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