Gourmetküche und Marken Kleidung?
11. Januar 2018 | Restaurants & Hotels
Fine dining im Concept Store, das passt nicht zusammen, nie und nimmer – dachte ich. Bis mich Tom Wickboldt und sein Team auf Usedom in seinem The O’ROOM vom Gegenteil überzeugte. Und wie! Mit diesem neuen Restaurant setzt Wickboldt ein kulinarisches Ausrufezeichen, das die Insel aus Genießer-Sicht um einiges attraktiver macht.
Ein Kurzurlaub auf der Insel ist im Winter für uns eine beliebte „kleine Flucht“. Auf Usedom kann man sich bei stundenlangen Spaziergängen herrlich den Kopf freipusten lassen und den Träumen vom Haus am Meer nachhängen. Relaxen und Schlemmen heißt das Programm. Waren wir von unserem Hotel mit Lieblingsrestaurant dieses Mal ein wenig enttäuscht, schauten wir uns nach kulinarischen Alternativen um, und wurden – ausgerechnet – im neuen Concept Store von „Marc O’Polo STRANDCASINO“ fündig. Wer hätte das gedacht.
Wir hatten das ehemalige Kulturhaus der Roten Armee noch aus einer Zeit der Zwischennutzung als Buch Antiquariat in Erinnerung. Ein schönes Gebäude mit bewegter Vergangenheit, das seine besten Zeiten hinter sich hatte. Heute erstrahlt es kernsaniert und modernisiert in neuem Glanz und ist eine absolute Bereicherung für Heringsdorf – und das in jeder Beziehung. Neben dem Store für Marc O’Polo Mode beherbergt das ehemalige Casino nun eine Vinothek im Keller, einen kleinen Delikatessen Shop und zwei Restaurants, das O’NE – regionale Küche, neu interpretiert – und das exklusive The O’ROOM by Tom Wickboldt – moderne Gourmetküche mit globalen Einflüssen. Und das alles in sehr zeitgemäßem, nordisch-frischem Design.
Das Namenskonzept dieses ersten Marc O’Polo Concept Stores kommt für meinen Geschmack ein wenig gequält daher: Das ‚O‘ von Marc O’Polo muss sich offenbar überall wiederfinden: BUNGALO‘, VINO‘, O’DELI, O’NE und schließlich The O’ROOM. Diese Namen und Apostrophe gehen mir ein wenig kompliziert über Lippen und Tastatur und sind im Internet auch nicht auf Anhieb zu finden. Die Restaurants selbst punkten dagegen mit einer Leichtigkeit und Finesse, die uns begeistert und alle unsere Erwartungen übersteigt.
Wir entschieden uns für ein 4-Gang Menü im O’ROOM mit Weinbegleitung. Überrascht wurden wir mit zusätzlichen zwei Amuse Gängen und einem Pre-Dessert. Vom dänischen Kaisergranat über die Kalbszungen Ravioli mit Sardine hin zum Hirschkalb gipfelte das Menü schließlich in einem unübertreffbaren Avocado Dessert. Jeder Teller war ein kleines Kunstwerk, fein abgestimmte Aromen und Texturen, dabei nicht überfrachtet, ein himmlischer Genuss. Wirklich schwer, mit Worten zu beschreiben.
Mindestens genauso phantastisch wie das Essen war der Service. Wir wurden umsorgt von einem Team freundlicher, nein, fröhlicher und gut gelaunter Mitarbeiter, die ihren Job mit einem Lächeln und Spaß an der Sache ausüben. Was selbstverständlich sein sollte, ist es hier tatsächlich. Und das ist ein Rundum-Genuss für den Gast. Davon konnten wir uns auch am nächsten Tag noch einmal überzeugen, als wir im O’NE mit direktem Blick in die Küche zu Abend aßen. Es scheint, dass sich das gute Klima und Miteinander der Köche direkt auf den Tellern wiederspiegelt.
Kein Wunder, dass all dies im November mit einem Michelin Stern für das The O’ROOM belohnt wurde. Ein tolles Gastronomiekonzept! Die Sonneninsel Usedom ist um eine Attraktion reicher geworden!
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