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Seediensttauglichkeit, Teddysammlung in der Hamburger Seemannsambulanz

Seediensttauglich-keit und der Doktor mit den Teddys

13. Januar 2019 | unterwegs

Man könnte meinen, man befindet sich im Wartezimmer einer Kinderarztpraxis. Aber nein. Spätestens wenn wir den Raum mit den hunderten von Teddys in Matrosenanzügen betreten, weiß ich: „Es geht wieder los.“ Wir sind in der Seemannsambulanz bei Dr. Jan-Gerd Hagelstein. In wenigen Tagen fliegt mein liebster Kapitän zu seinem nächsten Einsatz.

Seediensttauglich-keit und der Doktor mit den Teddys

Seeleute müssen regelmäßig nachweisen, dass sie gesundheitlich in der Lage sind, diesen anspruchsvollen Job auszuüben. Gesundheit und körperliche Fitness werden genauso überprüft wie die Sehtüchtigkeit, das Farbseh- und Hörvermögen und vieles mehr. Keine Seediensttauglichkeit bedeutet: Keinen Job mehr auf einem Schiff. Bedeutet aber auch: Keine Ablösung für den derzeitig Diensthabenden an Bord. Also ein verlängerter Einsatz für ihn, wenn nicht unmittelbar und spontan ein anderer Kollege aus seinem Urlaub einspringt. Ohne Seediensttauglichkeit geht gar nichts.

Dr. Hagelstein führt genau diese Untersuchungen durch. Er ist Leiter der Seemannsambulanz in Hamburg Wilhelmsburg. Zu ihm kommen Seeleute, die an Bord erkrankt oder möglicherweise verunfallt sind und im Hamburger Hafen ärztliche Betreuung benötigen. Über den örtlichen Schiffsagenten werden sie dann bei Dr. Hagelstein vorgestellt. Und es kommen eben jene Seeleute, die eine Seediensttauglichkeits-Bescheinigung benötigen.

Unter den Seeleuten ist Dr. Hagelstein deswegen bekannt wie ein „bunter Hund“ – sorry, wie ein bunter Teddybär. Manch einer von Ihnen steigt in ein Taxi und sagt: „Bring mich zu dem Arzt, wo ich vor zwei Jahren mal war.“ Wenn der Taxifahrer dann nach dem Namen fragt, kommt zur Antwort: „Keine Ahnung, aber der mit den Teddys!“

Die deutschen Regularien sehen eine gesundheitliche Untersuchung alle zwei Jahre vor. Andere Flaggenstaaten schreiben vor, sich vor einem jeden Einsatz einer solchen Untersuchung zu unterziehen. Die Bescheinigung darf dann bei Dienstantritt nicht älter als eine Woche sein. Das heißt, einer der letzten Termine vor der Abreise ist immer wieder die Seediensttauglichkeits-Untersuchung. Für uns also immer die Fahrt nach Hamburg zu Dr. Hagelstein, zu dem mit den Teddys.

Bereits auf dem Flur fällt ein vielleicht 50 cm großer Teddy mit einem großen Tropenhut ins Auge. Das Wartezimmer dominiert eine wandfüllende Vitrine, in der sich wirklich hunderte von Teddys in den unterschiedlichsten Matrosen-Outfits tummeln. Und nicht nur Teddys; auch Enten, Hasen, Pelikane, Seehunde und sogar ein Schwein präsentieren sich im maritimen Look. Das Matrosen-Schwein soll Dr. Hagelsteins liebster „Teddy“ sein.

Es geht international zu in dieser Ambulanz. Genauso international wie in den wandfüllenden, großen Glas-Vitrinen. So wie Seeleute aus aller Herren Länder zu Dr. Hagelstein kommen, haben auch Teddys aus aller Welt ihren Weg in die Seemannsambulanz gefunden. Sie stehen, sitzen oder liegen in ihren Regalen und zaubern den wartenden Seeleuten ein Schmunzeln ins Gesicht. Wer weiß, vielleicht ist diese putzige Schar von blau-weißen Kerlen ein Heer von Maskottchen, das die Seeleute auf den sieben Weltmeeren beschützt. Seeleute sollen ja sehr abergläubisch sein…

Die Untersuchung ist abgeschlossen. Die Seediensttauglichkeit für den nächsten Einsatz erteilt. Wann immer ich es einrichten kann, begleite ich meinen Mann zu diesen Terminen und wir unternehmen anschließend etwas in Hamburg. Heute planen wir einen Besuch in der Hamburger Kunsthalle. Wir schauen uns eine sehr berührende Werkschau von Philippe Vandenberg an. Und so wird dieser Tag am Ende doch noch – trotz des sehr nahen Abschieds für viele Wochen – ein kleiner, netter „Landgang in Hamburg“. Dr. Hagelstein verabschiedet uns. Zu mir sagt er mit einem fröhlichen Lächeln: „Tut mir ja leid, wenn ich dazu beitrage, dass Ihr Göttergatte wieder längere Zeit unterwegs ist, aber wenn Sie ihn durch liebevolle Zuwendung so „gut in Schuss“ halten…“

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Die Teddysammlung des Dr. Hagelstein findet auch Eingang in den Krimi „Das Mädchen im Fleet“ von Christiane Fux. Ein spannender Bestatterkrimi, der in Wilhelmsburg und zu großen Teilen im Krankenhaus Groß-Sand spielt. Der Doktor mit den Teddys kommt auch vor, doch heißt er in dem Roman „Django“… Spannend zu lesen und ein „Geheimtipp“ vom Doktor!

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  1. Das ist ja sehr interessant! Dieser Doktor bekommt bestimmt viel zu sehen in seiner Praxis! Und ich sehe vielleicht Ihren Kapitän auf meiner nächsten Schiffsreise! Gute und sichere Fahrt wünscht conni

    1. Ja, das stimmt. In der Praxis wird es bestimmt nie langweilig. Dann wünsche ich einen schönen Urlaub auf See! Ruhiges Wetter und interessante Destinationen! LG Bettina

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