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Budapest Markthalle Paprika

24 Stunden Budapest

4. Oktober 2018 | Landgänge

Diese Eile war bei unserem Besuch in Budapest gar nicht geboten. War dies ja kein „Landgang“ der üblichen Art. Schließlich kann man Budapest nicht mit Kreuzfahrt- schiffen, allenthalben mit Fluss-Schiffen erreichen. Wir waren aber schlicht und ergreifend im Urlaub dort, mit dem Flieger. Das erste Mal in Budapest, das erste Mal in Ungarn überhaupt. Auf Einladung unseres lieben Freundes, dem Schiffsarzt.

24 Stunden Budapest 24 Stunden Budapest

Eine knappe Woche waren wir in Budapest und wir waren einfach überwältigt. Budapest ist eine so tolle Stadt, unglaublich schön! Schlösser und Prachtbauten, das Parlament, Boulevards wie in Paris, freundliche Menschen und gutes, bodenständiges Essen (mit viel Paprika…) – unsere Erwartungen wurden in jeder Hinsicht übertroffen.

Unseren Rundgang vom ersten Tag will ich gern mit euch teilen. Die Runde ist prima, um sich einen ersten Überblick über die Stadt zu verschaffen. Aber Vorsicht: Mit dem Kapitän muss man immer „gut zu Fuß“ sein… und Budas steile Hügel auf der einen Seite der Donau und Pests endlose Boulevards auf der anderen Seite können schon eine kleine Herausforderung werden…

Nagy Vasarcsarnok heisst „Grosse Markthalle“

Von unserem Hotel Kálvin House, ein einfaches, aber zu empfehlendes Bed and Breakfast Hotel in perfekt zentraler Lage, starten wir frühmorgens – wie könnte es anders sein – zu Budapests legendärer Markthalle, die quasi nebenan liegt. Ich liiieeebe Markthallen. Diese ist eine wirklich beeindruckende, sauber restaurierte Halle im neugotischen Stil, die nur so vor Paprika und ungarischer Salami überzuquellen scheint. Im Keller wird Fisch, Fleisch und Wild angeboten, im Erdgeschoss überwiegend Salami und Wurstwaren und natürlich Paprika in allen Schattierungen neben Obst und Gemüse. Im Obergeschoss schließlich reihen sich neben Souvenirläden Imbiss-Stände auf, die mehr oder weniger typische ungarische Speisen für kleines Geld anbieten.

Eine wirklich schöne Markthalle. Glücklicherweise hatten wir Platz im Koffer für einige Dosen getrockneten Paprika und für ungarischen oder auch „falschen“ Safran (die Blüten der Färberdistel, die Speisen eine wunderbar gelb-orange Farbe verleihen). Außerdem für Cabanossi und Salami vom Mangalitza Schwein und vom ungarischen Graurind.

Kürtöskalacs heisst Baumkuchen

Vom Markt aus gehen wir über die Freiheitsbrücke (Szabadság híd) an das Westufer der Donau, vorbei am Gellért Bad den steilen Weg hinauf auf den Gellért Berg zur Freiheitsstatue. Das wunderschöne Thermalbad sparen wir uns für einen anderen Tag auf. Dort wollen wir ganz in Ruhe ein paar Stunden verbringen und die wunderbare Architektur und die warmen Bäder auf uns wirken lassen.

Von der Freiheitsstatue aus genießen wir sowohl den herrlichen Blick über die Donau auf den Stadtteil Pest als auch ein typisches Gebäck, den ungarischen Baumkuchen „Kürtöskalacs“. Ein wunderbar fluffiges Hefe-Gebäck, das traditionell über offenem Feuer gegart und anschließend mit Zimt-Zucker karamellisiert wird. Vorsicht: Hier besteht absolute Suchtgefahr!!!

Weiter geht es wieder hinab ans Ufer, immer an der Donau entlang, vorbei an der Elisabeth Brücke, dann hinauf zu dem ausgedehnten Budapester Schlosskomplex, der u. a. die ungarische Nationalgalerie beherbergt. Es findet gerade eine Frieda Kahlo Ausstellung statt, die Schlangen an der Kasse sind aber leider so lang, dass wir uns gegen einen Besuch entscheiden und stattdessen weiterwandern. Im Winterhalbjahr kann man in Budapests Museen und Galerien Tage verbringen, so viel steht fest. In den vielen schönen Thermalbädern übrigens auch.

Wieder am Donau-Ufer angekommen bewundern wir die berühmte Kettenbrücke, bleiben aber weiter am Westufer, bis wir gegenüber vom imposanten Parlaments- gebäude ankommen. Wirklich beeindruckend, ein Gebäude wie aus einem Märchen. Diesen Anblick genießen wir ausgiebig bei einem Mittagessen auf der Terrasse des Restaurants „Angelika Kávéház“ genau gegenüber des Parlamentsgebäudes: Ein großer Salat, ein Mangalica Gulasch und ein Gläschen Nyakas Budai Chardonnay für umgerechnet unter 30 Euro. Zum Genießen.

Zene heisst Musik

Derart gestärkt, geht es für uns weiter bis zur Margaretenbrücke, von der aus man auf die Margareteninsel gelangt. Was für ein riesiges Freizeitgelände und Naherholungs- gebiet inmitten dieser Metropole – einzigartig! Wasserturm, Klosterruinen, Rosengarten, Thermalbad, japanischer Garten, Freilichtbühne für Theater und Konzerte, Fitnessgeräte und rundum laufende Tartan-Jogging-Bahn – hier mangelt es an nichts, hier kann man bei einem Budapest-Aufenthalt locker einen ganzen Tag zum Relaxen einplanen.

Wir genießen die Nachmittagssonne am Musikbrunnen, wo sich Jung und Alt zu jeder vollen Stunde zu einem etwa 10-minütigen Wasserkonzert mit Musik trifft. Überhaupt Musik: In Budapest erklingt an jeder Ecke Musik. Egal, ob auf den Straßen, in den Restaurants, ja, sogar im Außenbereich des Gellért Bades finden sich Musiker, meist Trios, die für musikalische Untermalung sorgen. Ein wenig nostalgisch, aber irgendwie passt es hier.

Je nachdem, wie lange man auf der Margareteninsel ausgeharrt hat, sollte man nun überlegen, ob man zu Fuß auf der Pest-Seite, also am Ostufer der Donau entlang zurückschlendert oder lieber die Straßenbahn oder auch eine Fähre nimmt. Der bis hier beschriebene Fußweg ist etwa 7,5 Kilometer lang.

Sehenswert, wenn auch beklemmend, ist in jedem Fall ein Mahnmal zwischen dem Parlament und der Kettenbrücke. Hier stehen wie zufällig vergessene Schuhe aus Metall am Ufer, die an die Erschießung von jüdischen Ungarn im zweiten Weltkrieg erinnern sollen. Ein Foto von diesen „Stolpersteinen“ wollte ich nicht machen.

Wie auch immer man nun den Rückweg gestaltet, ob man noch einige Boulevards in Pest anschaut oder direkt ins Hotel geht, eine kurze Pause vor dem Abendessen und idealerweise eine kleine Fußmassage im Hotel empfehlen sich. Wir treffen uns zum Abendessen mit dem Doktor:

Vörös Postakocsi heisst rote Postkutsche

Ein Aperitif im Cafe Intenzo, direkt an der Metro-Station Kalvin, nur ein paar Schritte vom Hotel Kalvin entfernt. Das Kaffeehaus und Restaurant ist äußerst gemütlich eingerichtet und der Innenhof ist eine kleine Oase im Großstadtrummel. Die Speisen, wie z. B. Gänsekeule oder Entenleber sind hervorragend (wenn auch bei der Hitze eine kleine Herausforderung) und der Eiskaffee wirklich sehr gut!

Ein paar Schritte weiter biegt man in die Straße „Ráday“ ein. Hier reiht sich ein Restaurant an die nächst Bar, man kann wunderbare Abende verbringen und das alles nur ein paar Schritte vom Hotel entfernt. Vom einfachen Imbiss bis zur Sterneküche mit dem Restauranat Costes ist hier alles vertreten.

Empfehlenswert für ein traditionelles ungarisches Abendessen ist das Restaurant „Vörös Postakocsi“, was übersetzt „rote Postkutsche“ heißt. Wir waren mehrfach dort und haben uns immer sehr wohl gefühlt. An der klassischen Gulaschsuppe, Gänseleber mit Blaubeerensauce und Lendensteak vom ungarischen Graurind führt kein Weg vorbei. Dazu gibt es eine gute Weinauswahl, freundliche Kellner und Live-Musik.

Jazz-Liebhaber beschließen den Abend ein paar Schritte weiter im IF Café Jazz Club. Dort spielen angesagte Jazz Musiker live und die Atmosphäre ist entspannt. Für einen Absacker oder einen Cocktail die ideale Location.

Wie gut, dass unser Hotel so nah ist.

Welch überaus spannender Tag mit so vielen Eindrücken und Erlebnissen – auch kulinarischer Art. Die ungarische Küche ist etwas für herzhafte Esser. Die Speisen sind deftig, die Portionen groß. Gänsekeulen und Sauerkraut-Gulasch mögen für uns eher in die Weihnachtszeit als zum Hochsommer gehören. In Ungarn scheint Temperatur und Jahreszeit unerheblich.

Und natürlich habe ich aus Ungarn auch ein tolles Rezept für ein Hirtengulasch (nichts anderes heißt nämlich Gulyás: „von einem Hirten gemacht“) mitgebracht. Den nötigen Paprika-Vorrat hatte ich dafür ja im Gepäck. Die Geschichte dazu und das Rezept folgen demnächst in einem meiner nächsten Beiträge.

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  1. Liebe Bettina, dein Beitrag macht Lust auf Kofferpacken! Einige Hauptstädte Europas haben wir ja schon erobert, aber ich stelle fest, die Lücken sind noch zu groß. Deine Schilderung eurer Entdeckungen, sowohl vom Stadtrundgang und den vielfältigen kulinarischen Köstlichkeiten, sowie die Hinweise auf die Restaurants in ihrem unterschiedlichsten Gepräge machen neugierig und bereit für eigene Erfahrungen. Vorerst muss ich mich mit Rezepten begnügen! Ich warte mit Spannung darauf! Dann wird es ungarisch und sicher auch scharf in meiner Küche! Das setzt neue Akzente – es wird uns munden! Voller Vorfreude, mit lieben Grüßen
    Ingrid

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