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Weitwandern am Moselsteig

Weitwandern am Moselsteig: Erlebnisse & Tipps für die Etappen 1 – 8

6. August 2022 | Genussreisen

Der Moselsteig begleitet den kompletten deutschen Mosellauf von Perl an der deutsch-französisch-luxemburgischen Grenze bis zur Mündung in den Rhein am Deutschen Eck in Koblenz. Der Steig umfasst 24 Etappen,  knapp 16.000 Höhenmeter und 365 Kilometer ohne die Zuwegungen. Einschließlich der Zuwegungen zu unseren jeweiligen Unterkünften sind wir schließlich auf 500 Kilometer gekommen. Unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Tipps für das Weitwandern am Moselsteig teile ich mit Euch in diesem Beitrag.

Weitwandern am Moselsteig: Erlebnisse & Tipps für die Etappen 1 – 8

[Dieser Beitrag enthält Werbung. Zum einen für den Moselsteig, zum anderen für das ein oder andere Hotel oder Restaurant. ACHTUNG: Der Moselsteig kann süchtig machen. Zu Risiken und Nebenwirkungen können Sie mich gern jederzeit kontaktieren.]

Grundsätzlich ist die Vorbereitung einer Weitwander-Reise, wie die am Moselsteig, recht aufwändig, bis alle Übernachtungen gebucht sind. Im Voraus zu reservieren, ist aber in jedem Fall sinnvoll, schließlich ist zu Fuß der Radius nach einem langen Wandertag eingeschränkt. Insbesondere die Wochenenden sind schwierig, da die Zimmer entlang der Mosel vielfach nur für mindestens zwei oder sogar drei Nächte vermietet werden. Dank an dieser Stelle an alle Winzer und Hoteliers, denen wir auch für eine einzige Nacht willkommen waren!

Hat man einmal alles durchgebucht, ist dann die Wanderung tiefenentspannt: Aufwachen, Frühstücken, Wandern, abends im nächsten Hotel ankommen. Herrlich, keine Suche im Internet, keine Ungewissheit, sondern einfach einchecken.

Der Moselsteig ist exzellent ausgeschildert. Trotzdem hatten wir – ganz altmodisch – eine Wanderkarte aus dem Publicpress Verlag dabei. Außerdem versorgt die offizielle Seite des Moselsteigs mit weiterführenden Informationen.

Beachten solltest du beim Moselsteig, dass eine Einkehr am Mittag selten möglich ist. Es ist sinnvoll, täglich ausreichend Proviant und Getränk dabei zu haben. Bei den wenigen Etappen mit Einkehrmöglichkeit weise ich in meinem Text darauf hin. Auch sei angemerkt, dass es in vielen Orten nicht einmal möglich ist, Wasser und Proviant zu kaufen. Ein altbackenes Brötchen und eine Salami im Gepäck sind manchmal Gold wert und das köstlichste Essen der Welt, besonders wenn man einen Picknickplatz mit Aussicht gefunden hat – und davon gibt es auf den 24 Etappen am Moselsteig reichlich!

Anreise nach Perl

Perl liegt im Drei-Länder-Eck direkt an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg. Die Anreise von Koblenz mit der Bahn entlang der Mosel ist grandios. Fahren wir doch durch viele Orte, die wir später durchwandern werden. Das Hotel Maimühle ist der ideale Ausgangspunkt für den Moselsteig, es liegt nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt. Vom Foyer führt eine imposante Wendeltreppe zu den Zimmern. Unser Zimmer 203 ist sehr ansprechend im modernen Landhausstil eingerichtet, erfrischend zeitgemäß und geschmackvoll – ein Zimmer zum Wohlfühlen. Das Restaurant im Hotel Maimühle ist leider geschlossen. Fachkräftemangel, heißt es. Noch ahnen wir nicht, wie oft wir diesen Begriff in den nächsten 24 Tagen noch hören werden.

In der kleinen Karte der Mühlenwirtschaft Kelterhaus werden wir fündig. So sitzen wir dann am Vorabend unserer ersten Etappe des Moselsteigs mit Blick auf den schönen Fluss und die Weinberge des gegenüberliegenden luxemburgischen Schengen.  Wir lassen uns Lammhaxe und Wildschwein Cordon Bleu vor dieser Kulisse ebenso gut schmecken wie einen Grauburgunder vom Schengener Markusberg auf der gegenüber liegenden Seite der Mosel.

Moselsteig – Etappe 1 von Perl nach Palzem (24 Kilometer, 600 Höhenmeter)

Streuobstwiesen und Wald wechseln sich auf dieser ersten Etappe ab. Braune, schwarz-bunte Kühe und Pferde beäugen uns Wanderer neugierig. Wilde Orchideen soll es um diese Jahreszeit hier geben, vor unseren vier Augen bleiben sie allerdings verborgen. Hier und da eröffnet sich ein ganz besonderer Dreiländerblick bis nach Frankreich und Luxemburg. Wir begegnen tatsächlich nur einem einzigen anderen Wanderer. Bei der ersten Begegnung mit diesem braungebrannten sehnigen älteren Mann nicken wir uns zu. Später am Tag treffen wir ihn wieder. „Buon giorno“, ruft er uns mit beiden Armen winkend entgegen. Mein liebster Kapitän pariert mit einigen wenigen Brocken italienisch, das aber formvollendet. Bei der dritten Begegnung kommen wir „ins Gespräch“. Mit Händen und Füßen stellen wir fest, dass wir alle von Perl nach Koblenz laufen werden. Er, allerdings, plant anschließend noch den Eifelsteig von Aachen nach Trier. Das sind weitere 313 Kilometer plus Zuwegungen. Respekt!

In Palzem wartet das Hotel Moselterrassen mit einem äußerst gut gelaunten Gastgeber auf uns. Das Zimmer ist einfach, aber zweckmäßig, die Restaurant-Terrasse lädt mit herrlichem Moselblick ein. Wir bestellen die Friture de la Moselle (frittierte Rotaugen aus der Mosel – eine luxemburgische Spezialität) und eine weitere luxemburgische Spezialität namens „Wäinzoossiss“. Dahinter verbergen sich Bratwürste mit Kartoffelpüree in einer Senfsauce. Beides einfach köstlich und Soulfood nach einem langen Wandertag. Mein liebster Kapitän kommentiert das Essen: „Die Karte ist so klein, da kann man das Essen ruhig gut machen.“ Recht hat er, und wir haben alles richtig gemacht. Für „Nicht-Hausgäste“ bieten die Moselterrassen nämlich zurzeit kein Essen an – Fachkräftemangel, heißt es wieder.

Uns  begeistern an diesem Abend auch die Gastgeber-Qualitäten des belgischen Inhabers. Wortgewandt in vielen Sprachen geht er von Tisch zu Tisch, berät bei der Weinauswahl und erklärt kompetent und sympathisch die Weine von Felix Thein vom Weingut Jeger. So lernen wir den Elbling als sehr regionalen, leichten Starter Wein kennen – eine der ältesten Rebsorten in Europa überhaupt und sehr typisch für die Region.

Moselsteig – Etappe 2 von Palzem nach Nittel (17 Kilometer, 330 Höhenmeter)

Heute wird das hochsommerliche Wetter zur Herausforderung bei der zweiten Etappe. Über 30° C sind dann doch anstrengend auf den offenen Passagen; jene, die durch Waldgebiete führen wirken regelrecht wohltuend! Eine Bank am Ausgang des Hartwaldes lädt zu einer frühen Rast ein, der Helfanter Dom mit seinen Doppeltürmen zu einer Besichtigung. Es gibt immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Mosel. Die Etappe wirkt bei der Hitze allerdings ungleich anstrengender als die am Vortag. Insbesondere der Anstieg zur Friedhofskapelle in Rehlingen in sengender Hitze ist mir prägnant im Gedächtnis geblieben. An weniger heißen Tagen lädt dort oben eine Bank und eine Liege zum Verweilen ein – mit einem Prämiumblick ins Moseltal. Angesichts der Temperaturen halten wir uns im Schatten beim Brunnen auf, der für Erfrischung sorgt.

Schon früh am Morgen begegnen wir unserem italienischen Wanderkollegen. Er fragt uns nach einem negozio di alimentari, er ist auf der Suche nach einem Lebensmittelgeschäft. Es ist am Moselsteig in der Tat in manchen Orten schwierig bis unmöglich für den Tagesproviant zu sorgen. Gut gefrühstückt habe er und Wasser auch, also trennen sich unsere Wege wieder. Vorher fragen wir ihn aber noch nach seinem Namen und Alter: Lorenzo heißt er, aus Monza, und er ist 77 Jahre alt, wird im Oktober 78.

Über einen alten Kreuzweg erreichen wir Nittel, wo wir ein wahrlich riesiges, modernes Zimmer im Gästehaus des Weinguts Dostert beziehen. Wir freuen uns über einen Begrüßungs-Winzersekt auf der Terrasse und sind wohlig zufrieden mit dem, was uns auf dem Teller im Restaurant Culinarium geboten wird. Die Juniorchefin ist äußerst sympathisch, wir führen eine angeregtes Gespräch und dürfen sogar unsere Getränkeflaschen bis zum Aufbruch am nächsten Tag  kühlen. Eine schöne Geste, die in Wanderregionen selbstverständlich sein könnte, es aber nicht ist.

Moselsteig – Etappe 3 von Nittel nach Wasserliesch (23 Kilometer, 570 Höhenmeter)

Nachts regnet es, und wir starten bei angenehmen Temperaturen, schrauben uns durch die Weinberge am Nitteler Fels mit wunderbaren Aussichten auf die Mosel, Nittel und Machthum bis in einen verwunschenen Wald aus Weißdorn, Hasel und Lianen. Uralte Trockenmauern zeugen vom Weinbau längst vergangener Zeiten. Die imposante Nitteler Felswand gilt als DIE Landmarke der Obermosel, sie wurde auch als „Leuchtpunkt der Artenvielfalt“ ausgezeichnet.

Diese Etappe ist extrem abwechslungsreich, denn es geht durch weite, sich wiegende Getreidefelder weiter mit Weitblick über die hügeligen Anbauflächen. Atemberaubend.

Wir nutzen eine Picknickbank oberhalb von Fellerich für unsere Mittagsrast. Hätten wir geahnt, dass kaum 15 Minuten später „Ellis und Rosis kleine Jause“ auf uns wartet, hätten wir dort Rast gemacht: Ein bezaubernder Fleck mit formidabler Aussicht, Sonnenliegen, Tischen und Stühlen, Beschattung – einzigartig! Der Clou: ein solarbetriebener Kühlschrank mit Wein, Wasser, Wurst und Käse bietet dem Wanderer alles, was er für eine zünftige Jause benötigt. Genial! Schade, dass diese Initiative auf dem Moselsteig so wenig bekannt gemacht wird, wo doch die Einkehrmöglichkeiten so rar sind!

Betrieben wird die Selbstbedienungs-Jausen-Station direkt am Moselsteig durch das Weingut Biewers. Und wer kommt zeitgleich mit uns an? Klar, Lorenzo aus Monza…

14,5 Kilometer nach Wanderbeginn und ca. vier Kilometer vor Wasserliesch wählen wir einen Abstecher ins Naturschutzgebiet „Orchideenpfad“. Der Abstecher lohnt sich so sehr!!! Auch dieser Rundweg ist ausgezeichnet als „Leuchtpunkt der Artenvielfalt“. Und das verdient! Ein kleiner Rundweg führt vorbei an den verschiedensten Orchideen-Arten, gelbem Enzian, wilden Lilien und  Türkenbund.

Hunderte (nicht übertrieben!) von Schachbrett- und anderen Schmetterlingen sehen wir. Die Luft sirrt und schwirrt. Es ist ein einzigartiges Natur-Schauspiel – ich könnte noch Stunden bleiben.

Wir kehren zurück auf den Moselsteig. Die Löschemer Kapelle bietet uns Schutz vor einem plötzlich einsetzenden Gewitter, bevor wir nach Wasserliesch hinabsteigen.

Dort wohnen wir im Scheid’s Hotel – ein altes Gebäude mit modernisiertem Restaurant. Das Zimmer No. 15 unterm Dach ist angenehm, sauber und geräumig. Die Flure dorthin jagen einem ein wenig Angst ein, sie sind vor vielen, vielen Jahren stehen geblieben und bestechen durch ein eigenwilliges Sammelsurium von Bildern. Aber wir wohnen ja nicht auf dem Flur, und unser Zimmer ist wirklich gut und mit einem zeitgemäßen modernen Bad ausgestattet. Nach einem ordentlichen Abendessen fallen wir erschöpft in die Kissen. So soll es sein nach einer Wanderung.

Moselsteig - Etappe 4 von Wasserliesch nach Trier (25 Kilometer, 385 Höhenmeter)

Die heutige Etappe ist geprägt von der Erwartung auf die Stadt Trier. Wir starten von Wasserliesch aus in Konz gegenüber von Igel – mit dem UNESCO Welterbe Igeler Säule – und der Saarmündung bei Konz. Von dort aus geht es über Treppen und Rampen steil bergan durch Wälder mit mächtigen Douglasien. Diese Etappe ist perfekt für heiße Tage – wie heute mit über 30° C – denn weite Strecken führen durch Waldgebiete.

Eine Einkehr bietet auf dieser Etappe tatsächlich das Restaurant „Am Mohrenkopf“ (ja, ich weiß, das schreibt man so heute nicht mehr, aber das Restaurant und der Berg heißen nun mal immer noch so). Hier lädt ein Biergarten mit kleinen Snacks zum Verweilen ein. Wir allerdings haben Pech: „Geschlossene Gesellschaft“ steht auf einer Kreidetafel – und so können wir die traumhafte Aussicht ins Tal vom Biergarten aus nicht genießen.

Es bleibt uns die Bank auf der gegenüberliegenden Seite des Restaurants, am Parkplatz. Hier hat man den Blick ins andere Tal. Auch ganz schön. Wir jedenfalls genießen unser Picknick.

Darauf folgt ein sehr steiler Abstieg, den ich bei nasser Witterung auf keinen Fall gehen möchte. Auch so ist er für die Gelenke eine Herausforderung. Du kannst alternativ einfach die Straße am Restaurant „Am Mohrenkopf“ entlang weitergehen und kommst dann bald wieder auf den Moselsteig.

Allerdings entgehen dir bei dieser Abkürzung die Talsohle mit kleinen Gemüse- und Obstgärten am Beginn und die vielfältigen Obstbäume (Marone, Walnuss, Pfirsich, Pflaume, Quitte, Mispel und vieles mehr) eingerahmt von gewaltigen Stapeln von Feuerholz.

Weite, breite Waldwege führen nach Trier. Wir passieren das „Drachenhaus“ mit  Rosengarten  – ein schloss-ähnliches Gebäude und ein ganz besonderer Ort mit Geschichte. Heute sind dort die städtische Forstverwaltung und einige Mietwohnungen untergebracht. Wohl dem, der so wohnen darf! Wie eine Modelleisenbahn-Stadt liegt uns nun Trier zu Füßen und wir erreichen schnell die Porta Nigra – welch beeindruckendes Bauwerk!!!

Unsere Unterkunft gleichen Namens liegt in Sichtweite. Dieses Hotel ist für einen Trier-Besuch ein Glücksfall. Wir haben Glück, sind im Neubau in einem kleinen, schön ausgestatteten Appartement mit kleiner Küchenzeile untergebracht. Perfekt! Hier frühstücken wir morgen früh einfach direkt im Zimmer, sind nicht abhängig von irgendwelchen Frühstückszeiten und können so zeitig zur Etappe Nummer 5 aufbrechen.

Wir gönnen uns ein Abendessen im Beckers Gourmet Restaurant. Die Speisen sind durch die Bank einfach phänomenal. Kunstwerke auf den Tellern und ein Fest für den Gaumen. Der Service und die Gastgeber-Qualitäten allerdings enttäuschen uns. O.K., behalten wir also nur das großartige Essen in Erinnerung – hat ja eventuell auch etwas mit dem viel zitierten Fachkräftemangel zu tun.

Auf dem Weg zum Abendessen treffen wir Lorenzo. Sein französischer Wanderfreund Gilbert sei nun auch angereist. Zusammen wollen die beiden den Mosel- und den Eifelsteig gehen, also noch einmal 313 Kilometer zusätzlich zum Moselsteig. Und wir dachten schon, wir gehen weit…

Lorenzo aus Italien ist sonnengegerbt. Lachfältchen umrahmen wie Sonnen seine freundlich-fröhlichen Augen. Er trägt ein sandfarbenes Funktions-Shirt, eine graue, von der Sonne verblichene Cap, schwarze Wanderstiefel, neongelb abgesetzt. Dazu trägt er einen schwarzen 55-Liter Rucksack. Lorenzo hat – wie wir – alles Gepäck dabei. Natürlich. Gepäckservice? Paahhh. Er ist schlank – drahtig ist wohl die richtige Beschreibung. Einmal zeigt er auf seine Oberarme und schüttelt den Kopf, dann zeigt er auf seine Waden und hebt lachend beide Daumen. Er macht kleine, etwas steife Schritte – die aber wie am Schnürchen. Unser Tempo hält er mit seinen 77 Jahren ganz locker mit. Die Gleichmäßigkeit der Schritte mache die Geschwindigkeit, erklärt er uns bei einer unserer Begegnungen. Das ist wohl wahr. Er geht den Moselsteig wie ein Uhrwerk.

Wir begegnen uns mehrmals am Tag. Es sind schöne Begegnungen, denen keine Sprach- oder Altersbarriere im Wege steht. „Bongiorno“ – „Oggi caldo“ – „Oggi rampico“ – „Una problema vecchia“ – „Una problema chronica“ – er bezieht letzteres auf seinen Fuß; läuft aber unermüdlich weiter.

Selten haben wir uns mit jemandem mit so wenigen Worten so gut verstanden. Und dann dieses strahlende Lächeln und die emporgerissen winkenden Arme, um uns am neuen Tag ein kräftiges „Bongiorno“ zuzurufen.

Wie glücklich macht uns diese Begegnung!

Moselsteig - Etappe 5 von Trier nach Schweich (20 Kilometer, 650 Höhenmeter)

Nach dem obligaten Foto vor der Porta Nigra überqueren wir wieder die Mosel und starten über unzählige Stufen vorbei an der Villa Weißhaus mit wunderbarer Außenterrasse und wahrem Traumblick über die Mosel und Trier. Auf dem Höhenweg blitzt immer wieder unten die Mosel auf.

Im Ortsteil Trier-Biewer wendet sich der Moselsteig vom Moseltal ab und führt in die Wälder. Aufgrund der verheerenden Überschwemmungen vor genau einem Jahr ist der Moselsteig aktuell in diesem Gebiet gesperrt. Wir werden (gut ausgeschildert, wie übrigens der gesamte Steig) umgeleitet nach Ehrang, wo wir den Fluss Kyll überqueren. Der Ort wirkt wie ein Geisterort. Fast alle Ladengeschäfte stehen leer, sind offenbar der Überschwemmung vor einem Jahr zum Opfer gefallen. Der Trierer Ortsteil Ehrang wurde schwer getroffen. 690 Häuser waren betroffen, die Menschen wurden mit Booten und Radladern evakuiert. Viele sind auch heute noch nicht wieder in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Ein Krankenhaus, das ebenfalls evakuiert worden war, wird gar nicht mehr geöffnet werden.

Von Ehrang aus führen wieder unzählige Stufen zu einem Kreuzweg und schließlich zu einer kleinen Waldkapelle. Wald und offene Wiesen wechseln sich ab. Eine Bank an einem Friedhof kurz vor Quint lädt zu einem Picknick  ein, das dichte Blätterdach einer Eiche gibt uns Schutz vor einem einsetzenden, sanften Sommerregen.

Schweich ist ein kleiner, netter Ort mit einigen hübsch sanierten Häusern. Das Mittlers Hotel liegt direkt an der Mosel. Dies ließe Idyll vermuten, wären da nicht die A1, A602 und die Moselbrücke sozusagen direkt vor dem Hotelbalkon. Uns stört es nicht, haben wir doch den ganzen Tag die Stille und Natur genossen und ausgiebig waldgebadet und sind somit tiefenentspannt. Das Hotelzimmer ist ein wenig in die Jahre gekommen, dafür ist das Bad neu renoviert. Das Abendessen im sehr gut besuchten Hotel-Restaurant ist regional reichhaltig. Wir bestellen ein Traditionsgericht aus der Region: „Himmel un Äd“ – hausgemachte Blutwurst auf Kartoffelpüree mit Apfelschnitzen und Röstzwiebeln.

Moselsteig – Etappe 6 von Schweich nach Mehring (14 Kilometer, 400 Höhenmeter)

Eine kurze Etappe liegt vor uns, auch wenn sie in der von uns ansonsten geschätzten Wanderkarte aus dem Publicpress Verlag mit 19,5 Kilometern ausgewiesen ist. Zu Beginn befinden wir die sechste Etappe als die bisher unattraktivste. Wir bewegen uns im Dreieck von Autobahnen und schrauben uns in die Höhe. Der Verkehrslärm verfolgt uns lange und ist selbst auf dem Mehringer Berg noch sehr präsent. Wie es wohl früher war, bevor all die Schnellstraßen hier gebaut wurden?

Schön wird es, als wir die Weinbergkapelle und das 10.000 Liter-Fass auf dem Weg zur Huxley Ebene erreichen. In dem zum Picknickplatz umgewidmeten Fass legen wir eine Rast ein. Die Umgestaltung ist dem „Seniorenverein Aktiv Mehring“ zu verdanken. Auf dem Huxley Plateau haben sie außerdem einen Wald-Informationspfad rund um Dachs, Wildschwein & Eichhörnchen eingerichtet und einen Aktiv-Pfad mit Fitness-Geräten und Picknick-Plätze mit grandiosen Aussichten und allerlei bemerkenswerten Sinn-Sprüchen. Den Aktiv-Pfad lassen wir aus, unsere Wanderung scheint uns aktiv genug.

Der Abstieg auf serpentinenartigen schmalen Wegen nach Mehring ist dann wirklich, wirklich schön. Wärme strahlt von den Weinberghängen und an jeder Biegung findet sich eine schöne Bank oder Picknick-Gelegenheit. Die Hänge sind bepflanzt mit mediterranen Büschen und Blumen, es duftet herrlich und die Insekten summen und brummen von einer Blüte zur nächsten.

Wir nutzen eine kleine halbe Stunde mit Sonne für ein Nickerchen auf einer Liege mit sensationellem Talblick.

In Mehring übernachten wir im Hotel Moseltal. Das Bad ist modernisiert, das Zimmer in Ordnung. Im Restaurant Zum Fährturm gleich neben dem Wahrzeichen von Mehring, dem alten Fährturm an der Moselpromenade, gibt es solide Hausmannskost mit Gratis-Blick auf Mosel und vorüberfahrende Schiffe.

Moselsteig – Etappe 7 von Mehring nach Leiwen (17 Kilometer, 570 Höhenmeter)

Wir überqueren wieder einmal die Mosel und steigen über Stufen bergan. Ein Abstecher – noch in Mehring – zur Römischen Villa Rustica mit großer Badeanlage ist absolut empfehlenswert. Das finden auch Lorenzo und Gilbert, die uns schon von dort entgegenkommen. Die Villa Rustica ist ein teilweise wieder aufgebauter römischer Gutshof an der Römischen Weinstraße aus dem II. Jahrhundert n. Chr. So rustikal die Anlage uns heute erscheinen mag, so zählte der Gutshof doch einst zu den prächtigsten des Trierer Landes.

Vorbei am Campingplatz und Freizeit-Badesee Triolago mit Alpaka-Farm wandern wir hinauf in die Mehringer Schweiz. Ein Moselsteig-Schild warnt uns vor den nächsten 1,6 Kilometern. Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sei erforderlich. Und das stimmt. Diese 1.600 Meter haben es wirklich in sich, sind bislang die erste Herausforderung an Mensch und Material. Es geht ausnahmslos auf schmalen Pfaden und Stufen steil (und hier meine ich STEIL) bergan, teilweise sicherlich eine Steigung bis 30%. Wie die Bergziegen kraxeln wir hinauf, werden oben angekommen durch eine umwerfende Aussicht belohnt und lächelnd von unseren beiden Wanderkollegen begrüßt, die natürlich schon da sind.

Nach einem kurzen, heftigen Abstieg führt der Weg nun über breite Waldwege und vorbei an Obstwiesen. Der 20 Meter hohe Aussichtsturm „5-Seen-Blick“ ist leider gesperrt. Schade. Unsere Mitwanderer nutzen die dortigen Bänke für eine Rast. Wir gehen weiter und finden bei Kilometer 117,5 einen Picknickplatz der Superlative. Zwei Tische und Bänke mit einem bezaubernden Blick auf die Mosel und das Dörfchen Pölich. Vielleicht der schönste am ganzen Moselsteig. Ein Platz zum Ausharren.

Von hier aus geht es stets sanft bergab mit herrlichen Ausblicken in das Moseltal. Schließlich öffnet sich eine weite, flache, fast runde Ebene mit Weinreben unter uns, auf der gegenüberliegenden Seite von steileren Weinhängen eingefasst. Durch die Weingärten bei blauem Himmel und mit wunderbarem Insekten-Gebrumm und duftenden Blüten um uns her erreichen wir schließlich Leiwen, ein kleiner etwas verschlafener Ort direkt an der Mosel.

Unsere Unterkunft für diese Nacht, das Weinhaus Weis, wirkt wie so viele Hotels und Pensionen entlang der Mosel zunächst sehr altehrwürdig. Das Zimmer schließlich überrascht uns. Sehr ansprechend modernisiert und mit zeitgemäßem Bad bietet es sogar noch eine große Terrasse. Das ist besonders praktisch um die Wander-Kleidung, die wir jeden Abend waschen, an der Sonne zu trocknen. Wirklich empfehlenswert.

Beim Rundgang durchs Dorf stoßen wir auf ein modernes Logo auf altem Gemäuer: vierzehn 85 ESSEN & WEIN. Wir werfen einen Blick auf die Karte: Carpaccio vom Kaisergranat, Crepinette vom Stubenküken oder Bries und Haxe vom Kalb. Klingt das verlockend! WIE gern würden wir hier zu Abend essen. Aber leider ist dienstags und mittwochs Ruhetag. Wir recherchieren später im Netz, im vierzehn 85 kann man sogar übernachten. Das wäre tatsächlich noch einmal einen Besuch in Leiwen wert, wo doch leider die Kulinarik in dieser Region in den kleineren Ortschaften auf unserer Tour eher beschaulich, wenn nicht gar angestaubt ist.

Wir müssen uns für den Moment mit Wildragout und Spätzle und Schweinerücken mit Zwiebeln begnügen. Aber morgen geht es ja wieder weiter.

Moselsteig – Etappe 8 von Leiwen nach Neumagen-Dhron (17 Kilometer, 435 Höhenmeter)

Etappe acht ist eine sehr entspannte Wanderung, die hier und da zum Verweilen einlädt. Das erste Mal sehr früh bei der Leiwener Friedenskapelle, wo man auf Liegen, Bänken oder in einer Weinfass-Hollywood-Schaukel den herrlichen Blick genießen kann. Die Schaukel im Weinfass genießen wir ausgiebig – man soll sich die Kindheit ja erhalten – bevor es weitergeht.

Als ein weiteres Highlight lädt uns das „Mosel-Kino“ zu einem Besuch ein. Genial! Wir nehmen Platz auf einer der Bänke (es gibt auch Liegen), die wie in einem Amphitheater angeordnet sind. Durch einen großen Holzrahmen im Kino-Format sehen wir den Film „Moselschleife in Slow Motion“. Ein Flussschiff fährt durchs Bild. Eine Hornisse landet. Eine Amsel fliegt durchs Bild. Ansonsten Stille. Ruhe. Weiter geschah nichts in diesem einzigartigen Kinoprogramm. Herrlich!

Wir gehen heute die gesamte Moselschleife um Trittenheim herum – immer in schöner Höhe, um eine gute Aussicht auf Leiwen und später Trittenheim zu haben. Von den Aussichtspunkten Zummethöhe und Vogelsang lässt sich diese Moselschleife besonders gut erfassen.

Das heutige Ziel vor Augen steigen wir wieder hinab zum Moselufer, wo wir auf die Märtyrerkapelle und einen Kreuzweg direkt an der Moselweinstraße treffen. Es gibt beschaulichere Kreuzwege.

Bald erreichen wir Neumagen-Dhron. Hier gibt es allerlei Superlative – so ist der Ort angeblich der älteste Weinort Deutschlands und wir finden die angeblich kleinste Weinstube im ältesten Weinort Deutschlands… Es ist tatsächlich ein wirklich schöner, alter Ort mit herrlichen alten Gutshäusern, römischen Säulen, dem Römerweinschiff „Stella Noviomagi“ und so manch einer Weinstube. Wir kommen im Weingut Hilmes bei einem guten Glas Riesling zur Ruhe.

Unser Hotel und Restaurant mit dem schönen Namen „Lekker“ ist phantastisch: Uraltes Gemäuer mit modernstem Innenleben. Geht doch! Das Zimmer 11 haut uns geradezu um. Dicke alte Balken kombiniert mit modernem Interieur, alles äußerst geschmackvoll, ein äußerst großzügiges Bad, alles super-sauber und gepflegt. Herrlich, um nach einem langen Wandertag anzukommen.

Das Restaurant im Gewölbekeller ist ein Ort zum Wohlfühlen: Modernes Mobiliar, dezente Dekoration, edle Akzente – der niederländische Inhaber und Küchenchef ein absolut sympathischer und kommunikativer Gastgeber. Das Essen – leider nicht à la Carte (wir ahnen es schon, wegen des Fachkräftemangels) – ist ganz ausgezeichnet. Feiner und raffinierter als vieles, was wir bisher an der Mosel zu vergleichbaren Preisen gesehen bzw. gegessen haben: In Gin gebeizter Lachs, Garnelen, Salat, Pfifferlings-Cremesuppe, Lachs, Zander und Garnele auf knackigem Gemüse und Maispoulardenbrust – alles erstklassig. Was für ein feiner Ausklang nach einem schönen Wandertag!

Wenn du mir bis hierher gefolgt bist, hab vielen Dank! Die nächsten Etappen des Moselsteigs findest du hier.

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  1. Eine beneidenswerte Urlaubstour, die du mit ansprechender, sehr eindrucksvoller, wirklich unter die Haut gehender Schilderung darzustellen vermagst. Grandios! Schade, dass uns eure und Lorenzos viel geschilderte Kondition nicht (mehr!?) zu eigen ist, sonst könnte eine Nachahmung dringend angezeigt sein – vielleicht auch nur mit kleinen Teilen der Etappen. CHAPEAU! Ich freue mich schon sehr auf die Berichte der nächsten Etappen und warte mit Spannung darauf! Im Geiste wandere ich mit! Liebe Grüße Ingrid

    1. Liebe Ingrid,

      ganz lieben Dank für deine Begeisterung. Die folgenden acht Etappen sind ab Samstag nachzulesen. Ich freue mich, dass Ihr die Wanderung auf diesem Wege ein wenig mitverfolgen konntet.

      Liebe Grüße
      Bettina

  2. Vielen Dank für den sehr schönen Beitrag für unsere Genussregion Mosel
    Das macht richtig Lust auf Mosel – den Wein, die einzigartige Natur & Landschaft, regionale Speisen, tolle Gastgeber und ein Erlebnis für alle Sinne!

    1. Liebes „Faszination Mosel“ Team,
      Vielen Dank für den freundlichen Kommentar! Ihr lebt und arbeitet aber auch in einer tollen Region!!!

  3. Der Moselsteig ist toll. Konnte direkt mitfühlen. Wir hatten ihn jetzt im August in Koblenz beendet. Wir sind immer nach Hause gefahren. In Bernkastel Kues hatten wir mal für eine Woche eine Ferienwohnung. Schau mir die anderen Teile auch noch an.
    Gruß aus Bonn. Doris

    1. Hallo Doris,
      es freut mich, dass du meinen Beitrag gern gelesen hast! Wenn man den Weg kennt, ist der Text natürlich gut nachzuvollziehen. Aber vielleicht animiert er auch andere, sich auf den Weg zu machen.
      Liebe Grüße
      Bettina

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