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Skulptur in Wachenheim, Pfalz

Die Pfalz: Genuss pur – Teil 2

10. Juni 2019 | Landgänge

Die Pfalz – eine Region der Superlative! Das größte Weinfass der Welt, das größte Weinfest der Welt, die älteste Weinstraße, die älteste Weinflasche und last but not least etwa 100 Millionen Rebstöcke und ganz phantastischer Wein… Vom Saumagen und den Leberknödeln und der wunderbaren Natur gar nicht zu sprechen…

Die Pfalz: Genuss pur – Teil 2

Wir sind schon in sehr vielen Ländern auf dieser Welt gewesen. Und, ja, es gibt traumhafte Ecken rund um den Globus. Gar keine Frage. Unsere Ausflüge in die Pfalz zeigen uns aber, dass das Gute so nahe liegt. Tradition, Gastlichkeit, Kultur und Kulinarik, großartige Baukunst – all das findest du hier. Und ganz ohne Flieger, mit der Bahn zu erreichen. Stressfrei. Wann handeln wir denn endlich auch nach dem vielgepriesenen Schlagwort der Nachhaltigkeit?

Speyer

Wenn ich von großartiger Baukunst spreche, ist Speyer natürlich ein Paradebeispiel (wenngleich ich all die wunderschönen, kleinen, schiefen und verwinkelten Fachwerkhäuschen entlang der Weinstraße genauso bestaunenswert finde) – das Paradebeispiel ist und bleibt der Dom zu Speyer. Das klingt schon erhaben, finde ich. Aber wenn man sich dem Dom erstmalig nähert, fühlt man sich ganz klein. Tatsächlich.

Die Planung für den Dom zu Speyer soll vor ungefähr tausend Jahren begonnen haben. Mir persönlich ist es sowieso ein Rätsel wie in den vergangenen Jahrhunderten derartige Gebäude fertig gestellt wurden und wir heute – trotz aller moderner Hilfsmittel – zum Teil Jahrzehnte benötigen, um einen Flughafen, eine Elbphilharmonie oder ähnliches fertigzubringen.

Grundsätzlich zählen wir nicht zu den Personen, die jede Kirche besichtigen. Und wenn, nehmen wir uns die Zeit, inne zu halten, eine Weile in der Kirchenbank zu sitzen und den Ort auf uns wirken zu lassen. Fotos sind für uns dabei tabu. Das schnelle „Rein-Foto-Raus“ liegt uns gar nicht. Den Dom zu Speyer haben wir auf uns wirken lassen, und er ist unfassbar beeindruckend! Du solltest dir Zeit dafür nehmen! Es lohnt sich!

Kulinarisch gesehen ist die Weinstube Rabennest unser liebster Platz in Speyer. Eine Weinstube im alten Stil, urig und rustikal, Speisen, die deftig und lecker daherkommen und eine große Liste von offenen Weinen. Am großen Tisch sitzt man nie lange allein, man kommt ins Gespräch und lernt interessante Leute kennen. Das macht Spaß! Sehr empfehlenswert ist die „Pfälzer Verführung“, ein modern interpretiertes Saumagen-Carpaccio.

Mindestens genauso empfehlenswert wie das Rabennest ist die Eismanufaktur Englert. Nur ein paar Schritte vom Rabennest entfernt bietet sie wirklich ungewöhnlich leckere Eissorten, wie etwa Joghurt-Ingwer an. Dieses oder ein Pistazieneis sollte man sich auf dem Nachhauseweg einfach gönnen!

Weinmuseum im Historischen Museum

Unseren zweiten Tag in Speyer haben wir mit einem ausführlichen Spaziergang am Rheinufer begonnen. Ich liebe es, an Flussufern entlang zu spazieren. Das entspringt wahrscheinlich meinem Wunsch, irgendwann einmal am Wasser zu wohnen. Meer, See oder Fluss – das wäre dabei egal. Der Rhein bei Speyer ist besonders schön, Flussschiffe ziehen vorbei, und man selbst kommt ins Träumen von einer Fluss-Schifffahrt… vielleicht von Köln bis Amsterdam oder so… Allerdings, ob mein liebster Kapitän seinen Urlaub auf einem Schiff verbringen möchte…?

Lohnenswert ist auf jeden Fall auch ein Besuch im Weinmuseum im Historischen Museum von Speyer. Viele interessante Details rund um den Weinanbau und – natürlich – die älteste Weinflasche Deutschlands gilt es dort zu bestaunen: Der sogenannte Römerwein soll aus dem Jahre 1867 stammen. Eine 1,5 Liter fassende Flasche mit kleinen Henkeln fasst eine eher unsympathisch anmutende Flüssigkeit. Gut dass wir nicht auf diese antiken Tropfen angewiesen sind, sondern vor den Toren Speyers jede Menge tolle Weingüter zu finden sind, bei denen man direkt und ohne Vertriebswege seinen Wein kaufen und einladen kann.

Übrigens liefern die Weingüter ihre edlen Tropfen auch gern bis direkt an deine Haustür. Die Scheu, bei Weingütern direkt zu kaufen, ist wirklich unbegründet. Du bekommst ein super Preis-Leistungsverhältnis, die Versandkosten fallen bei den oft günstigen Preisen nicht ins Gewicht. Und häufig ist der Versand sogar kostenlos. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es sicherlich clever sich mit Freunden und Verwandten für eine größere Bestellung zusammenzutun.

Weitere wertvolle Informationen rund um den Pfälzer Wein, aber auch über Kulinarik, Ausflüge, Hotels, Wandern, Radfahren und vieles mehr, findest du auf der sehr informativen Website der Pfalzwein e. V..

 

Den Abend beschließen wir im Restaurant Zum alten Engel, ein sehr schönes, rustikales Lokal in einem alten Backsteingewölbe. In relativ dunklen und urgemütlichen Sitzecken aus altem Kirchengestühl werden regionale Produkte zeitgemäß serviert. Man ist dem Slow-Food Gedanken verhaftet. Dort gibt es alles, was die Pfälzer Küche zu bieten hat: von Pfälzer Maultaschen, Blutwurst, Fleeschknepp [Fleischklöße] mit Meerrettich, Leberknödeln und Saumagen bis hin zu Spinatknödeln und Käsespätzle. Wir wählten den Heubraten nach einem Rezept der Plankstetter Mönche, der nach zwölfstündiger Garzeit auf der Zunge zergeht… Einfach wunderbar.

Doch nicht nur das Essen begeistert. Mehr als 20 (!) offene Weine aus der Region, dazu Craft-Biere und Bioland Säfte. Dieses Angebot an offenen Weinen wünschten wir uns im Norden…

Als Unterkunft in Speyer können wir übrigens das Hotel Löwengarten empfehlen. Mit diesem soliden, familiengeführten Hotel mit 65 Zimmern in super zentraler Lage kann man nichts falsch machen.

Landau

Unser nächstes Ziel ist das Maximilians Boutique Hotel in Landau. Optimaler geht es für Bahnreisende nicht, es sind nur wenige Meter vom Bahnhof in dieses besondere Hotel. Und auch wer mit dem Auto anreist, genießt den Luxus einer Parkgarage und eines kostenlosen Parkplatzes vis-à-vis. Von außen wirkt es eher kühl und funktional, von innen aber ist es sehr schick und modern eingerichtet. Alles ist so blitzsauber und schön, als wäre es gerade gestern eröffnet worden.

Die Handschrift der Gastgeber Petra und Holger Hirsch ist überall zu spüren. Hier sind Genussmenschen am Werk, detailverliebt mit höchstem Anspruch. Das spürt man auch und gerade im Max 28 – morgens Frühstücksraum und abends Weinbar. Ein stimmiges Konzept.

Die insgesamt 50 Zimmer haben ein angenehmes Farbkonzept und eine wohltuende Größe. Sie sind in Grautönen gehalten, wenige peppige Farbakzente machen das gewisse Etwas aus. Es gibt Details, die begeistern, so zum Beispiel ein Nachtlicht, das in dezenter Helligkeit in Kniehöhe automatisch angeht, sobald man nachts die Beine aus dem Bett streckt. Sehr angenehm!

Unbezahlbar im Maximilians Hotel sind aber die Ausflugs-Empfehlungen von Petra Hirsch. Fragt man sie nach Wandertipps oder Restaurant-Empfehlungen, so sprudelt es aus ihr heraus. Und eine gute Einkehr darf nie fehlen. Sie regelt dann schon auch mal die Tischreservierung, selbst wenn es eigentlich keinen freien Platz mehr gibt.

So beispielsweise ihr Tipp für die Weinstube Brand in Frankweiler: urig-gemütlich, ein Sandstein-Gebäude mit blanken Holztischen, gehobene deutsche Küche – ganz nach unserem Geschmack. Im Sommer lockt ein entzückender Innenhof, das ist in einer lauschigen Sommernacht ganz sicher Romantik pur! Danke, liebe Frau Hirsch, ohne Sie hätten wir dieses Ambiente und diese gute Küche nicht erlebt!

Die Madenburg

Von Landau aus ist die Madenburg mit ihrer Burgschänke ein wirklich lohnenswertes Wanderziel. Wir haben diesen Spaziergang von Eschbach aus unternommen. Ein entzückender Ort, wo uns an jeder Ecke ein Esel anlächelte. Eine ältere Dame klärte uns auf: Die Eschbacher haben unter den Nachbardörfern seit jeher den Uznamen [Spitznamen] Esel. Eine findige Bürgermeisterin machte dies zu einem Markenzeichen. Seither stehen an jeder Ecke bunt bemalte Esel. Ein liebenswerter Ort und ein schöner Ausgangspunkt zur Madenburg.

Die Burg besticht mit einer herrlichen Aussicht und malerischen alten Gemäuern, Türmen, in die man hinaufsteigen kann und – nicht zuletzt – der Burgschänke, die das ganze Programm an Pfälzer Köstlichkeiten bietet. Neben guten offenen Weinen – wie überall in der Pfalz – wird beispielsweise für kleines Geld ein gutes und bodenständiges und üppiges „Pfälzer Zweierlei“ (Saumagen und Bratwurst) angeboten, das im Prinzip für zwei Personen reicht.

Kulinarisch ist das von Landau aus etwa acht Kilometer entfernte Burrweiler interessant. Absolut empfehlenswert ist hier das Weingut & Weinhaus Meßmer. In dieser Vinothek kann man alle Weine probieren, ohne die für uns Norddeutsche vielleicht etwas anstrengende „Verkostungssituation“ und den damit verbundenen „Kaufdruck“. In einem wunderschönen Sandstein-Gebäude mit herrlicher Terrasse sitzt man bei kleinen Speisen, wie zum Beispiel Pfälzer Leberwurstvariationen mit Bauernbrot und offenen Weinen.

Wir hatten das große Glück Özlem Meßmer kennenzulernen und es war ein wirklich unterhaltsamer und fröhlicher Abend. Die Geisweiler Hölle, 1. Lage „Fass“ avancierte an diesem Abend zum Favoriten meines liebsten Kapitäns. Ich brauchte etwas länger, um den Genuss tatsächlich teilen zu können. Erst als Begleitung zum Rehbraten im Heubett, zu dem wir einen Rotwein und eben die Geisweiler Hölle verkosteten, lernte ich die Qualität des im Fass ausgebauten Lagenweins zu schätzen.

Das Weinhaus Meßmer ist allein schon einen abendfüllenden Besuch wert. Man kann dort aber auch als Start zu einem fulminanten Abendessen im Ritterhof zur Rose, gleich nebenan, einfach auf einen Aperitif einkehren.

Der Ritterhof Rose besticht schon rein architektonisch. Aber es ist nicht nur der historische Charme des großartig renovierten Sandstein-Gebäudes, sondern gerade auch die ganz besondere regionale und sehr feine Slow Food Küche, die dort angeboten wird. Kalbskutteln beispielsweise und ein sehr geniales Kotelett vom Wollschwein waren ein Genuss. Und der Dessert-Klassiker des Ritterhofs zur Rose? Der „Rostige Ritter“ mit hausgemachtem Sorbet. Einfach. Nur. Gut.

Sieben Tage Pfalz

Schnell sind sie vergangen unsere Tage in der Pfalz. Wir haben kulinarische Höhenflüge erlebt, Natur pur genossen, in wunderbaren Hotels geschlafen. Wir haben alles richtig gemacht. Wir fühlen uns wie neu. So soll es sein.

Bleibt nur noch ein bisschen Pfalz mit nach Hause zu nehmen. Also halten wir auf der Rückkehr noch schnell beim „Saumagen-Pabst“. Steht doch in Kürze ein großes Familienfest anlässlich des 17. Geburtstags unserer Tochter an. Was könnte es da besseres geben als ein Pfälzer Menü?

Beim Metzger Hambel in Wachenheim decken wir uns mit Saumagen, Leberknödeln und Bratwurst ein. Schließlich haben schon prominente Gäste wie Michael Gorbatschov, Boris Jelzin, Margret Thatcher, John Major und König Juan Carlos von Spanien seinen Saumagen gekostet. Da stehen wir doch in guter Reihe.

Am Ende unserer Reise ist unser kleiner „grüner Flitzer“ vollgeladen mit Wein und guten Pfälzer Köstlichkeiten.

Und das Pfälzer Menü zum 17. war ein voller Erfolg…

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  1. Liebe Frau Wiebe, das ist ja ein super schöner Beitrag über unsere schöne Region. Danke dafür.
    Und natürlich sage ich besonders herzlich danke für Ihre wertschätzenden Worte an meinen Mann und mich.
    Es war ein Vergnügen, Sie und Ihren Kapitän beherbergen zu dürfen.
    Und eine große Freude, Sie nun nach dem „Verfolgen“ in den Social Media live kennen zu lernen.
    Ich sende Ihnen herzliche Grüße in den hohen Norden.

    Ihre Petra Hirsch
    vom Maximilians Boutique-Hotel Landau

    1. Liebe Frau Hirsch,
      wir haben die Zeit in der Pfalz sehr genossen und uns bei Ihnen im Maximilians sehr wohl gefühlt! Ich finde es auch immer großartig, wenn man die Menschen hinter den „Accounts“ kennenlernt. Man lernt tatsächlich immer wieder interessante Menschen und Orte kennen – wie die Pfalz und wie auch Ihr Hotel!
      Ganz herzliche Grüße – auch von meinem Kapitän – derzeit gerade von Bord aus
      Ihre
      Bettina Wiebe

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