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Cicchetti: Crostini mit Thunfisch

Cicchetti & Ombre – venezianische Lebensart für Zuhause

27. Juni 2019 | Vorspeisen

Früher verkauften in Venedig die Winzer ihren Wein auf dem Markusplatz und rollten dabei ihre Weinfässer im Schatten des Campanile entlang. Daher rührt der Name „Ombra“, denn Ombra bedeutet nichts anderes als Schatten. Ab elf Uhr vormittags trinkt beinahe jeder Venezianer sein erstes Gläschen, seine Ombra. Was dabei keineswegs fehlen darf, sind die berühmten venezianischen Cicchetti. Hierbei handelt es sich um die raffiniertesten Appetithäppchen, die man sich nur denken kann.

Cicchetti & Ombre – venezianische Lebensart für Zuhause

Venedig schlägt uns immer wieder in seinen Bann. Wir sind immer wieder fasziniert von dieser wunderschönen Lagunenstadt mit ihrem morbiden Charme. Bewegt man sich abseits der Touristenströme – und das ist ganz leicht – entdeckt man die schönsten Palazzi, Plätze, Bácari und Trattorien. Es gibt nichts Schöneres als einen kleinen „Giro de Ombre“ vor venezianischer Kulisse.

Etwa 50.000 dieser Gläser von etwa 0,1 Liter Inhalt sollen täglich über die venezianischen Tresen gehen. Eine beachtliche Menge, bedenkt man, dass die Einwohnerzahl von Venedig heute unter 60.000 liegt. Im Verlauf des Tages kommt das ein oder andere Gläschen dazu – daher also der „Giro de Ombre“, der „Ombre-Rundgang“. Ein paar Cicchetti bieten da eine gute – und dabei köstliche – Grundlage.

Mindestens genauso beliebt wie das Gläschen Wein zu den kleinen leckeren Happen ist ein Aperol Sprizz. In Venedig wird dieser allerdings nicht mit Prosecco, sondern mit Weißwein und Mineralwasser aufgegossen.

Cicchetti

Zugegeben, anfänglich war ich ja ein wenig skeptisch. „Was haben die Venezianer nur mit ihren „belegten Broten“, ging mir durch den Kopf… bevor ich sie probiert hatte.

Ein Giro de Ombre ist ein Stück venezianisches Lebensgefühl, dem man sich nicht entziehen kann.

Die venezianischen Bácari (Weinbars) haben eine lange Tradition. Es sind urige Bars, manche winzig, und man isst und trinkt im Stehen vor der Bar, manche größer mit Tischen und Stühlen. Eins eint sie alle: man bestellt am Tresen, denn dort sind die verführerischen kleinen Köstlichkeiten ausgestellt. Jede Bar hat natürlich ihre speziellen Geheimrezepte. Besonders das von der allgegenwärtigen Baccalà Mantecato (feinste Stockfisch-Creme) wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Es gibt unendlich viele Varianten der Cicchetti: Geröstete oder ungeröstete Brotscheiben oder Polentaschnitten dienen als Basis. Belegt werden sie mit Fisch, Meeresfrüchten, Tomaten, Leber, Speck, Pilzen, Cremes aus Blauschimmelkäse, Ricotta, Thunfisch. Cicchetti können aber genauso gut auch kleine gebratene Fleischklöße in Sauce, frittierte Meeresfrüchte oder Krebsfleischbällchen, rohe Garnelen, halbierte gekochte Eier mit Sardellen oder eine dicke, dicke Scheibe Mortadella sein.

Zum Aperitif gibt es bei uns zu Hause, seit wir Venedig kennen- und lieben gelernt haben, jetzt häufiger zwei, drei belegte Crostini. Und manchmal laden wir uns liebe Freunde ein und es gibt ein großes Chicchetti-Buffet. Die feinsten Cicchetti gibt es bei uns allerdings an Heiligabend – und das schon seit ich denken kann. An Heiligabend gibt es nämlich bei uns – weil es sich gut vorbereiten lässt – „nur“ fein belegte Brote. Wenn ich heute nach unserem traditionellen Weihnachtsessen gefragt werde, antworte ich: „Cicchetti!“ Das klingt doch gleich viel besser, oder?

Wir haben ein paar Cicchetti-Rezepte aus Venedig mitgebracht, zwei Crostini Varianten möchte ich heute mit euch teilen. Es sind einfache und meist schnell zubereitete Rezepte (bis auf die Stockfisch-Creme), für die ich keine exakten Mengenangaben mache. Nehmt diese Rezepte als Anregungen, lasst einfach eurer Phantasie freien Lauf und kreiert eure eigenen Cicchetti. Nichts muss, alles kann.

Und nicht vergessen: Ein Cicchetto funktioniert nicht ohne ein Glas Wein oder Sprizz 😉

Crostini mit Broccoli & Sardelle

Baguettebrot
Olivenöl
Knoblauchzehe
Baguettebrot in Scheiben schneiden, mit Olivenöl bepinseln, in der Pfanne, im Backofen oder auf dem Grill rösten, noch heiß mit einer halbierten Knoblauchzehe einreiben
1 Broccoli (klein)
in Röschen zerteilen und in Salzwasser ca. 7 – 8 Minuten weich (aber nicht zu weich!) kochen, abgießen, mit einer Gabel grob zerdrücken
Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
Broccoli-Mus herzhaft würzen und auf die Brotscheiben streichen
Olivenöl
Sardellenfilet, beste Qualität
grobes Meersalz
mit Olivenöl beträufeln, je ein Sardellenfilet auf die Crostini legen und grobes Meersalz darüber geben
Bio-Zitrone
einige Spritzer Zitrone auf die Crostini geben und mit Zitronen-Achteln garniert servieren

Crostini mit Tomaten und Sardellen

Baguettebrot
Olivenöl
Knoblauchzehe
Baguettebrot in Scheiben schneiden, mit Olivenöl bepinseln, in der Pfanne, im Backofen oder auf dem Grill rösten, noch heiß mit einer halbierten Knoblauchzehe einreiben
gelbe und rote Kirschtomaten, halbiert
Olivenöl
(Vanille) Zucker
1 zerdrückte Knoblauchzehe
1 Zweig Thymian
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Knoblauch und Thymian zugeben, eine Prise Zucker darin schmelzen lassen, die Tomatenhälften darin kurz (!) schwenken
Salz, Pfeffer aus der Mühle
würzen, Tomaten auf dem Baguettebrot anrichten
Sardellenfilets, beste Qualität
je ein Sardellenfilet auf ein Crostini geben
Basilikum
Crostini mit Basilikum garniert servieren

Und so macht das die Frau vom Kapitän

Das geröstete Brot kannst du gut vorbereiten. Wie oben beschrieben zubereitet und gut abgekühlt lässt es sich in einer Blechdose bis zu einer Woche aufbewahren. Wenn’s mal schnell gehen muss, schmecken die Cicchetti aber auch mit ungeröstetem Brot (und werden so auch in ganz Venedig angeboten)!

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